Montag, 9. Mai 2011
Platzhalter 3
Dienstag heißt es dann auschecken aus dem Hostel. Gottseidank können wir unsere schweren Rucksäcke da lassen und gepäckfrei mit dem Bus Richtung Flughafen fahren. Warum sind Autovermietungen eigentlich immer in Flughafennähe (und somit meist JWD) ?! Noch scheinbar unendlicher Busfahrt erreichen wir unser Ziel und können, nachdem wir uns die "Einführungs-DVD" angeschaut haben (wie klappe ich den Picknicktisch aus?, wo öffnet man den Benzintank?), endlich losdüsen. Freiheit! Unser eigener kleiner Van. Für eine ganze Woche...wir taufen ihn Bill und fahren erstmal zurück zum Hostel. Nachdem alles verstaut ist, geht es los. Wir machen uns auf Richtung Hyden, wo es den Wave Rock zu bewundern gibt. Eine gigantische Granit-Felsformation in Form einer Welle ca. 2700 Mio. Jahre alt. Außer diesem Felsen gibt es dort nichts...gar nichts. Wir fahren also erstmal ca. 3 Stunden den Great Eastern Highway entlang und machen in Brookton unseren ersten Zwischenstopp für die Nacht. Wir fahren durch das dunkle, recht verlassene Örtchen und suchen den Campingplatz. Wir fragen vorm Pub ein paar Menschen, die uns den Weg weisen. Der Campingplatz ist bereits geschlossen und ein paar merkwürdige Gestalten halten sich dort auf...Unschlüssig drehen wir ein paar Runden und beschließen dann: Erstmal ein Bier :D
Wir fahren zurück zum Pub und werden dort zunächst misstrauisch aber interessiert beäugt und dann herzlich aufgenommen. Es ist der 17. März, St. Patrick's Day, und wir sind in einem Irishpub gelandet...Prima. Brian der Besitzer des Bedford Arms Hotels ist vor etlichen Jahren nach Australien ausgewandert, hat viele Geschichten zu erzählen und lädt uns ein, unseren Van in seinem Hof zu parken und morgens mit ihm zu frühstücken...läuft.
Nach einer wilden Nacht mit wirklich extrem unterschiedlichen und durchaus "interessanten" Gestalten, fallen wir in unseren Van. Die erste Nacht Camping ist toll und Bill bietet wirklich bequeme Matratzen und mehr Platz als wir erwartet hatten. Brian hält sein Versprechen und serviert uns ein Frühstück und dann geht es zum Wave Rock.
Ankunft in Perth
Nach viereinhalb Stunden erreichen wir Nannup. Unsere Wegbeschreibung zu dem Haus in dem wir übernachten sollen erweist sich als etwas wage und so brauchen wir eine weitere Stunde bevor wir Phils „Anwesen“ erreichen. Es ist dunkel. Wir sind mitten im Busch und nicht sicher ob wir wirklich richtig sind. Laura und ich beschließen die Nacht im Auto zu verbringen. Völlig gerädert wachen wir am nächsten Morgen auf eine fröhliche Felicity kommt uns entgegen geeilt! Sie bringt uns ins Haus, wo wir den Rest kennelernen und freundlich empfangen werden. Nach einem kleinen Frühstück geht’s los zum Festivalgelände. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Es ist bunt und fröhlich und familiär! Konzerte den ganzen Tag lang...im Pub, in der Town Hall, in einem Zelt auf dem Spielplatz, im Amphitheater...Musik, Hippies, Jongleure, Campervans – ein fröhliches Treiben! Ich liebe es vom ersten Moment an! Die Band stellt uns anderen befreundeten Musikern (Minnie Marks, Hussy Hicks, CC the Cat) vor, wir trinken, lachen, singen und tanzen den ganzen Tag und fallen abends wie tot ins Bett. Völlig verkatert geht’s am nächsten Morgen zum Abschluss-Jam. Nachdem wir uns von der Band verabschiedet haben, genießen wir Fish and Chips (um unseren Kater zu füttern) bevor es wieder Richtung Perth geht! Wir müssen das Auto erst am nächsten Tag abgeben und so beschließen Laura und ich an der Küste entlang zu fahren und am Meer im Auto zu übernachten. Wir finden zunächst Busselton. Wunderschöne Strände, ein langer Kai der ins Meer weit ins Meer hineinreicht und: öffentliche Duschen!! Nach einem Festivalwochenende wohl der größte Luxus, den man sich vorstellen kann. Frisch geduscht geht es weiter nach Mandurah, wo wir den Abend mit 3 Aussies verbringen, Goon trinken und dann im selig im Auto einschlafen. Früh am nächsten Morgen geht’s weiter nach Fremantle, wo wir uns in der Alten Feuerwache Betten reserviert haben. Wir lagern unser Gepäck ein, fahren nach Perth, geben das Auto, das wir liebevoll „Pearl“ getauft haben zurück und steigen in den Zug zurück nach Fremantle.
Fremantle ist wunderschön. Kleine Cafes und Bars, direkt am Meer und Sonne bis zum Abwinken! Wir bleiben eine Woche dort. Das Highlight ist definitiv unser Tagesausflug nach Rottnest Island.
Wir nehmen die erste Fähre morgens um 7 Uhr. Die Überfahrt dauert etwa 35 Minuten. Vor Ort mieten wir uns Schnorchelausrüstung und kaufen ein Ticket für den Insel-Hop on-Hop off-Bus. An der ersten Bucht sehen wir einen Pelikan und das Hinweisschild, dass hier Stinger gesichtet wurden...Das Risiko wollen wir nicht eingehen und so hüpfen wir in den nächsten Bus und fahren ein Stückchen weiter. Ich bin aufgeregt! Mein erster Schnorchelversuch ist ein voller Erfolg! In der „Little Salmon Bay“ ist das Wasser paradiesisch türkis-blau und still. Fasziniert beobachte ich schillernde Fische zwischen den Korallen herum schwimmen. Es ist so still und friedlich unter Wasser, dass ich gar nicht wieder auftauchen möchte. Mein Rücken beschwert sich aber nach einer Weile, denn die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel herab. Wir fahren weiter über die Insel, fasziniert von der Landschaft und den vielen traumhaften Buchten...als wir uns nach einem schnorchelreichen Tag auf den Weg zum Fähranleger machen um die Ausrüstung zurück zu geben sehen wir dann auch noch Quokkas! Das sind niedliche Tiere, die eine Mischung aus Känguruh und Ratte darstellen, und die es nur auf Rottnest Island gibt! Sie sind extrem zutraulich und so können wir ein paar hübsche Photos schießen, bevor es wieder auf die Fähre geht. Auf der Rückfahrt sehen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang...langsam versinkt die glühende Sonne im Meer während wir von den Wellen gewiegt zurück nach Fremantle übersetzen.
Nach einer Woche heißt es dann Abschied nehmen von Fremantle. Unser großes Abenteuer steht bevor! Eine Woche lang geht es mit einem Campervan durch den Südwesten Australiens!
Platzhalter
Es ist soweit: Ich fliege in die Mitte dieses wunderschönen Kontinents. In das "heiße Herz". So lange ich denken kann haben mich Bilder des Ayers Rock, der mittlerweile unter seinem richtigen Namen Uluru bekannt ist. Der Uluṟu ist, laut Wikipedia Eintrag, etwa drei Kilometer lang, bis zu zwei Kilometer breit und hat einen Umfang von rund neun Kilometern. Der Gipfel befindet sich auf einer absoluten Höhe von 863 m und hebt sich damit 348 m von der Dünenlandschaft Zentralaustraliens ab.
Der Uluṟu liegt im Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark nahe dem Ort Yulara, etwa 340 Kilometer südwestlich von Alice Springs im Northern Territory von Australien. Der 1.325 km² große Nationalpark, in dem neben dem Uluṟu auch die benachbarten Kata Tjuṯa (die Olgas) liegen, gehört zum UNESCO-Weltnatur- und Weltkulturerbe. Doch um zu ihm zu gelangen, muss ich zunächst nach Alice Springs fliegen. Schon im Landeanflug kann ich ein seltenes Naturschauspiel bewundern: die Wüste lebt! Ich schwanke zwischen fasziniert und enttäuscht. Was ich erwartet hatte war das große, staubige, rote Nichts. Was ich sehe ist ein grün-roter Flickenteppich. Überall kleine Büsche und Bäume auf dem roten Sand.
Der Traum rückt näher...
Abschied von Melbourne - Aufbruch zum Uluru
Nach unserer Rückkehr heißt es dann auch schon bald Abschied nehmen von Sarah, die erst zurück nach Sydney und dann zurück nach Deutschland fliegt...Traurig verabschieden wir uns voneinander und dann bin ich wieder auf mich allein gestellt. Der erste Tag ohne Sarah fühlt sich etwas komisch an und ich bin nicht wirklich in der Stimmung mich unters Hostelvolk zu mischen. Mit meinem Buch verkrieche ich mich in mein Bett.
Als ich am nächsten Morgen an der Rezeption stehe, geht die Tür auf und ich traue meinen Augen nicht! Hereinspaziert kommt Emiliano, mit dem ich lange Zeit in Sydney im gleichen Hostel gewohnt habe und den ich eigentlich in Neuseeland wähnte...nach großem HALLO und Befindlichkeitsupdate besorgen wir uns Bier und mischen uns dann gemeinsam unter die Partyfreudigen...zu zweit fühlt sich das irgendwie besser an.
Nach ein paar weiteren Tagen geht es wieder ans Packen. Zum Abschied treffe ich mich noch mit Natalie und Siebe die ich auch in Sydney kennengelernt habe und die gerade bei Natalies Tante wohnen. Sie haben ein Auto und so beschließen wir einen Tagesausflug zur Mornington Peninsula zu machen. Das Wetter ist traumhaft und die Strände dort auch. Dann heißt es auch von diesen lieben Menschen Abschied zu nehmen. Langsam steigt die Aufregung. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass bald mein großer Traum in Erfüllung geht! Noch einmal schlafen und dann geht der Flieger nach Alice Springs in die heiße Mitte dieses gewaltigen und faszinierenden Kontinents.
Dienstag, 5. April 2011
Great Ocean Road
Donnerstag Morgen um 10 Uhr holen wir unser Auto von der Autovermietung ab. Ein weißer Kleinwagen steht für uns bereit. Wir haben schon vorher abgesprochen, dass Sarah erstmal das Fahren übernimmt, da sie bereits häufiger in Australien (also links) gefahren ist. Unser Auto ist außerdem ein Automatikauto, was ich bisher in meinem Leben nur ein einziges Mal unter Aufsicht gefahren bin...also etwas zu viel „neu“ auf einmal. Sarah schlägt sich tapfer und ich mime den Kartenleser...aus Melbourne mit seinen vielen Einbahnstraßen heraus zu finden gestaltet sich schwieriger als gedacht, aber als wir dann endlich auf dem großen Princes Highway sind entspannen wir und die Vorfreude auf das was kommt macht uns ausgelassen...
Erster Stop ist Aldi um uns mit Lebensmitteln und Wasser einzudecken und dann kann es endlich losgehen!
In Geelong holen wir uns gute Tips im Visitor Center. Die Dame hinterm Tresen ist wahnsinnig hilfsbereit und holt eine Karte und ein Prospekt nach dem Nächsten hervor.
Gut informiert fahren wir von Torquay (berühmter Surfort) immer an der Küste entlang. Die Landschaft ist atemberaubend. Immer wieder halten wir an, schießen Photos, erklimmen Aussichtsplattformen, wandern um einen Leuchtturm...einen Plan gibt es nicht so richtig aber irgendwann beschließen wir, dass wir gerne den Sonnenuntergang an den 12 Aposteln sehen würden. Beschlossen und verkündet – und dann wird’s stressig. Das letzte Teilstück vor den Aposteln ist wahnsinnig kurvig und führt erstmal ein ganzes Stück landeinwärts von der Küste weg. Die Sonne sinkt immer tiefer und wir werden hektisch...wie lang sich 35km anfühlen können..Wahnsinn. Die Sonne hängt schon knapp überm Ozean als wir unser Auto auf dem Parkplatz abstellen. Diverse Kleinbusse lassen vermuten, dass wir nicht die einzigen sind, die dieses Naturschauspiel ansehen wollen. Wir rennen geradezu den Weg entlang hinunter zur Aussichtsplattform. Erschlagen von soviel Schönheit bleiben wir stehen und bewundern die Felsen die aus dem Wasser herausragen. Im Licht der untergehenden Sonne wechseln sie die Farben und sehen wirklich majestätisch aus. Viel zu lange hält dieser Zauber uns gefangen und als wir „erwachen“ merken wir, dass es schon wirklich dunkel ist und wir noch keinen Platz zum Schlafen haben. Also schnell ab ins Auto und in den nächsten Ort. Port Campbell hat ein niegelnagelneues Hostel, dessen Rezeption schon seit einer halben Stunde geschlossen sein sollte...aber wir haben Glück und man lässt uns noch rein. Da das Bett im Viererzimmer genauso viel kostet wie die Hälfte vom Doppelzimmer entscheiden wir uns natürlich für den Luxus eines Einzelzimmers. Selig sinken wir in das große Bett.
Am nächsten Morgen geht es sehr früh weiter. Unser Ziel ist Warrnambool, wo die Great Ocean Road offiziell endet. Wir entscheiden uns etwas Zeit zu sparen und einen Teil des Heimwegs auf dem Highway im Landesinneren zurückzulegen. Auf unserer Liste steht noch Lorne (ein malerischer kleiner Küstenort), wo wir den Erskine-Fall anschauen und ein wenig am Strand entspannen wollen. Am Erskine-Fall warnen viele Schilder vor Schlangen und mit einem mulmigen Gefühl betreten wir in unseren FlipFlops den Regenwald. Zunächst zögerlich und mit wachsamen Blick klettern wir die Stufen zum Fuß des Wasserfalls hinab...nach einer Weile beschließen wir, dass es hier wohl keine Schlangen gibt und die diese Warnschilder aufstellen müssen für den unwahrscheinlichen Fall, dass hier tatsächlich mal eine Schlange auftaucht...wir bewundern den Wasserfall, schießen Photos und klettern zufrieden wieder in unser Auto. Kaum sind wir vom Parkplatz auf die Straße eingebogen passiert es: eine Schlange direkt vor uns auf der Straße...! Zum Bremsen ist es zu spät und so endet meine erste Begegnung mit einer australischen Schlange tragisch...Gottseidank für die Schlange und nicht für mich!
Es wird immer später und wir sind wieder zurück in Geelong, am Ausgangspunkt unseres kleinen Roadtrips. Wir sind unentschlossen: zurück nach Melbourne rein, im Hostel übernachten und morgens ganz entspannt das Auto abgeben? „Langweilig“ denken wir. Lieber noch eine Nacht irgendwo am Meer verbringen. Doch ein Unwetter braut sich zusammen...vielleicht lieber ein kleines Bed and Breakfast statt des geplanten Campingplatzes? Wir fahren ziellos durch den kleinen Küstenort mit dem malerischen Namen Ocean Grove. Dann ein Schild mit der Aufschrift: Holiday Cottages...klingt teuer, aber mittlerweile ist es dunkel, es regnet und donnert. Sarah steuert das Auto in die winzige Einfahrt und schon nach wenigen Metern wird uns klar: das ist nichts für uns. Also Auto wenden und...kkrrrcchhzzz...Schock!! Vorwärts auf einen Felsbrocken aufgesetzt. 2 Tage fahren wir unbeschadet durchs Känguru-und Steinschlaggebiet, nichts passiert und jetzt so was?!
Auf dem nächstbesten Parkplatz schauen wir uns den Schaden genauer an und überlegen was zu tun ist...Während wir etwas verzweifelt im Regen sitzen fährt ein Auto vorbei. Ein Fenster wird runtergekurbelt und eine Frau schaut heraus. „Bei euch alles in Ordnung, Mädels?“ Nachdem wir ihr unsere Situation geschildert haben beschließt Tanya kurzerhand uns mit nach Hause zu nehmen. Dort angekommen staunen wir nicht schlecht: eine Luxusvilla mit Doppelgarage und allem drum und dran. Wir lernen ihren „Hubbie“ (husband) kennen, der uns im Laufe des Abends unser Auto repariert. In der Zwischenzeit werden wir fürstlich bewirtet und nach einer Weile sagt Tanya: „Mädels wir haben da ein leerstehendes Gästezimmer. Bleibt doch einfach über Nacht!“ Wir können unser Glück gar nicht fassen und nehmen gerne an, den mittlerweile tobt das Unwetter draußen. So endet unser Great Ocean Road Abenteuer in Ocean Grove im Heimkino mit Jim Beam& Coke, leckerer Snackplatte und einer Nacht im wohl bequemsten Bett seit 8 Monaten...Am nächten Morgen bekommen wir noch ein Frühstück serviert und los geht’s zurück nach Melbourne. So gut ausgeruht und beruhigt, dass unser Mietwagen „heile“ ist, kann uns auch die Tatsache nicht schocken, dass der Highway überflutet ist und wir eine Umleitung und nen dicken Stau in Kauf nehmen müssen. Mit einer Verspätung von 2 Stunden („No worries!“) geben wir unser Auto zurück und machen uns schnell aus dem Staub eh dass sie den reparierten Kratzer doch noch entdecken...
Dienstag, 15. März 2011
Katrin goes Walkabout
Abschied von Sydney
Es ist soweit! Jetzt ist Abschied nehmen von Sydney und endlich die große Reise antreten angesagt. Ich bin aufgeregt und positiv gespannt aber gleichzeitig auch ein wenig ängstlich und traurig. Komischer Gefühlscocktail. Nachdem Sydney nach 7 Monaten ein zweites zu Hause geworden ist fühlt es sich auch wie ein zweiter Abschied von zu Hause an. Menschen die ich lieb gewonnen habe lasse ich in Sydney zurück. Und Vertrautheit. Die Straßen, die Parks und das Nahverkehrssystem, nette Cafés und Kneipen. Alles was ich mir in 7 Monaten vertraut gemacht habe. Wie gut, dass ich weiß, dass ich auf jeden Fall noch einmal zurückkehre. Somit ist es wenigstens noch kein Abschied für immer.
Das Packen ist ein Alptraum. Ich habe befürchtet, dass es schlimm wird, aber wie schlimm es würde war mir gottseidank nicht klar! Was sich in 7 Monaten so alles ansammelt...ich glaube ich habe innerhalb von 2 Tagen soviel weggeschmissen wie zu Hause in 2 Jahren nicht :)
Es will einfach nicht weniger werden! Doch wie durch ein Wunder schaffe ich es rechtzeitig kurz vor Abflug alles sortiert, gelagert, weggeschmissen und verschifft zu haben. Haico ruft mir ein Taxi. Dann geht alles recht schnell. Das Taxi fährt vor, Max trägt meinen 20kg schweren Rucksack zum Wagen während ich mein kleines Abschiedskomitee umarme. Jeroen hat prophezeit, dass ich Rotz und Wasser heulen würde, aber dafür bin ich viel zu gestresst und aufgeregt. Die Taxifahrt vergeht wie im Flug und dann steh ich da, wieder auf mich allein gestellt, auf dem Weg in eine unbekannte Stadt am anderen Ende der Welt.
Ich habe so gehofft, dass die Waage am Flughafen genauso geeicht ist wie die im Hostel, doch leider werde ich enttäuscht: 21kg und somit Übergepäck. Der nette junge Mann am Schalter bietet mir an entweder etwas auszupacken oder $15 für das Übergewicht zu zahlen. Ich zücke mein Portemonnaie. Er guckt mich verdutzt an und sagt: „das ist normalerweise der Moment wo die Menschen anfangen mit mir zu diskutieren“...müde lächelnd gebe ich ihm das Geld und teile ihm mit, dass mich nichts und niemand dazu bringen kann diesen Rucksack noch einmal zu öffnen!
Nachdem mein Rucksack aus meinem Blickfeld verschwunden ist, mache ich mich auf um mein Gate zu suchen. Nach einem kurzen Plausch mit 2 netten Melbournerinnen (heißen die so?) bin ich um die Erkenntnis reicher, dass man Getränke mit an Board nehmen darf. Verdutzt kaufe ich mir eine Flasche Wasser und warte aufs Boarding. Gehen die davon aus, dass Terroristen nur international fliegen? Dann hätte ich ja auch durchaus die ein oder andere Flasche aus meinem zu schweren Rucksack...schnell verwerfe ich den Gedanken und dann geht es mit einer halben Stunde Verspätung endlich los. Ich sitze zum ersten Mal in meinem Leben am Notausgang über der Tragfläche und muss eine Spezialeinweisung der Stewardess über mich ergehen lassen. Freundlich teilt sie uns mit, was wir im Notfall zu tun haben und bittet uns am Ende mit einem deutlichen „YES!“ zu bestätigen, dass wir alles verstanden haben und uns in der Lage sehen im Notfall zu handeln. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sage ich also „YES!“ und gucke gequält zu meinem Sitznachbarn. „Ich hoffe wir müssen die Anweisungen heute nicht befolgen“, sage ich zu ihm. Er lächelt und meint: „Keine Sorge: Ich mach das schon!“ Derart beruhigt kann ich mich so langsam auf die Tatsache konzentrieren, dass es jetzt tatsächlich soweit ist: ich verlasse Sydney und alle liebgewonnenen Menschen. Und nun trifft auch Jeroens Vermutung zu: Tränen laufen mir über die Wangen und es will gar nicht mehr aufhören...Irgendwann spricht mich mein durchaus attraktiver Sitznachbar an. Ich wische schnell die Tränen weg und drehe mich um. „Are you OK?“ Ich weiß es nicht. Bin ich OK? Ich denke schon. Ich fliege los. Nach Melbourne. Ich treffe Sarah wieder. Soo viele aufregende Dinge liegen vor mir. Ja! Ich denke ich bin OK...Wir sprechen über Australiens Südwestküste, denn da kommt er her und über die deutsche Band „Rammstein“, die er ganz toll findet. Ich muss deutsche Songtitel wie „Bück dich“ ins Englische übersetzen...oh mann. Der Flug vergeht sehr schnell und schon befinden wir uns im Landeanflug auf Melbourne.
Melbourne
Ich lande in Avalon. Melbourne-Avalon ist das australische Pendant zu Düsseldorf-Weeze oder Frankfurt-Hahn. Mit einem Shuttlebus fahre ich noch ca. eine Stunde quer durch die ländliche Umgebung Melbournes bevor wir die Southern Cross Station erreichen. Ich habe einen Straßennamen und eine Tramnummer. Mehr weiß ich nicht. Also stapfe ich mit meinem Monsterrucksack los in die Richtung, in der ich Melbourne City vermute. Glück gehabt. In der nächsten Querstraße hält die benötigte Straßenbahn. Was ein schönes Gefühl mal wieder Straßenbahn zu fahren! Wer hätte gedacht, dass ich die KVB mal vermissen würde :)
Die Haltestelle ist direkt gegenüber der „Nunnery“. Dieses Hostel wurde mir irgendwann mal empfohlen und als ich nach Hostels suchte, und über diesen Namen stolperte, fiel mir das wieder ein. Schon beim Eintreten weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Urgemütlich! Das alte Kloster, dass auch zeitweilig als Residenz des Erzbischofs genutzt wurde ist ein für australische Verhältnisse echt altes Gebäude mit hohen Decken und Holzdielen und Kaminen und dicken Goldbilderrahmen an der Wand. Ich checke ein und freue mich soo sehr auf mein Bett! Nach 7 Monaten im 6-Bett-Zimmer habe ich mir zur Belohnung ein Einzelzimmer für die erste Nacht gebucht! Nachdem ich einen kurzen Erkundungsgang durchs Haus gemacht und die ersten Mitbewohner kennengelernt habe, ziehe ich mich schnell in mein kleines Reich zurück. Außer einem Bett und einem Nachttischchen findet sich ein ca. 20 Jahre alter Fernseher, der 3 Sender (rauschend) empfängt. Eingekuschelt und selig erfreue ich mich an einer Doku über eine übergewichtige Familie aus Großbritannien bevor ich in den tiefsten Schlaf EVER falle. Völlig entspannt und ausgeruht wache ich morgens noch vor meinem Wecker auf. Kein Türenklappern, niemand der nachts um 3 betrunken nach Hause kommt, niemand der um 5 Uhr anfängt seinen Rucksack zu packen...EIN TRAUM. Ich genehmige mir das Gratisfrühstück und stelle dann meinen Rucksack im Gepäckraum unter, denn Sarah kommt aus Adelaide und wir ziehen gemeinsam wieder in ein...genau!... Sechsbettzimmer! War ja auch zu schön um wahr zu sein...
Nachdem ich mich mit Natalie (einer Freundin aus Sydney) zum Kaffee getroffen habe,wird es auch schon Zeit Sarah vom Bahnhof abzuholen. Was eine Wiedersehensfreude!
Zwei schöne Tage genießen wir in Melbourne und dann starten wir am Donnerstag auf unseren Miniroadtrip!