Dienstag, 15. März 2011

Katrin goes Walkabout

Abschied von Sydney

Es ist soweit! Jetzt ist Abschied nehmen von Sydney und endlich die große Reise antreten angesagt. Ich bin aufgeregt und positiv gespannt aber gleichzeitig auch ein wenig ängstlich und traurig. Komischer Gefühlscocktail. Nachdem Sydney nach 7 Monaten ein zweites zu Hause geworden ist fühlt es sich auch wie ein zweiter Abschied von zu Hause an. Menschen die ich lieb gewonnen habe lasse ich in Sydney zurück. Und Vertrautheit. Die Straßen, die Parks und das Nahverkehrssystem, nette Cafés und Kneipen. Alles was ich mir in 7 Monaten vertraut gemacht habe. Wie gut, dass ich weiß, dass ich auf jeden Fall noch einmal zurückkehre. Somit ist es wenigstens noch kein Abschied für immer.

Das Packen ist ein Alptraum. Ich habe befürchtet, dass es schlimm wird, aber wie schlimm es würde war mir gottseidank nicht klar! Was sich in 7 Monaten so alles ansammelt...ich glaube ich habe innerhalb von 2 Tagen soviel weggeschmissen wie zu Hause in 2 Jahren nicht :)

Es will einfach nicht weniger werden! Doch wie durch ein Wunder schaffe ich es rechtzeitig kurz vor Abflug alles sortiert, gelagert, weggeschmissen und verschifft zu haben. Haico ruft mir ein Taxi. Dann geht alles recht schnell. Das Taxi fährt vor, Max trägt meinen 20kg schweren Rucksack zum Wagen während ich mein kleines Abschiedskomitee umarme. Jeroen hat prophezeit, dass ich Rotz und Wasser heulen würde, aber dafür bin ich viel zu gestresst und aufgeregt. Die Taxifahrt vergeht wie im Flug und dann steh ich da, wieder auf mich allein gestellt, auf dem Weg in eine unbekannte Stadt am anderen Ende der Welt.

Ich habe so gehofft, dass die Waage am Flughafen genauso geeicht ist wie die im Hostel, doch leider werde ich enttäuscht: 21kg und somit Übergepäck. Der nette junge Mann am Schalter bietet mir an entweder etwas auszupacken oder $15 für das Übergewicht zu zahlen. Ich zücke mein Portemonnaie. Er guckt mich verdutzt an und sagt: „das ist normalerweise der Moment wo die Menschen anfangen mit mir zu diskutieren“...müde lächelnd gebe ich ihm das Geld und teile ihm mit, dass mich nichts und niemand dazu bringen kann diesen Rucksack noch einmal zu öffnen!

Nachdem mein Rucksack aus meinem Blickfeld verschwunden ist, mache ich mich auf um mein Gate zu suchen. Nach einem kurzen Plausch mit 2 netten Melbournerinnen (heißen die so?) bin ich um die Erkenntnis reicher, dass man Getränke mit an Board nehmen darf. Verdutzt kaufe ich mir eine Flasche Wasser und warte aufs Boarding. Gehen die davon aus, dass Terroristen nur international fliegen? Dann hätte ich ja auch durchaus die ein oder andere Flasche aus meinem zu schweren Rucksack...schnell verwerfe ich den Gedanken und dann geht es mit einer halben Stunde Verspätung endlich los. Ich sitze zum ersten Mal in meinem Leben am Notausgang über der Tragfläche und muss eine Spezialeinweisung der Stewardess über mich ergehen lassen. Freundlich teilt sie uns mit, was wir im Notfall zu tun haben und bittet uns am Ende mit einem deutlichen „YES!“ zu bestätigen, dass wir alles verstanden haben und uns in der Lage sehen im Notfall zu handeln. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch sage ich also „YES!“ und gucke gequält zu meinem Sitznachbarn. „Ich hoffe wir müssen die Anweisungen heute nicht befolgen“, sage ich zu ihm. Er lächelt und meint: „Keine Sorge: Ich mach das schon!“ Derart beruhigt kann ich mich so langsam auf die Tatsache konzentrieren, dass es jetzt tatsächlich soweit ist: ich verlasse Sydney und alle liebgewonnenen Menschen. Und nun trifft auch Jeroens Vermutung zu: Tränen laufen mir über die Wangen und es will gar nicht mehr aufhören...Irgendwann spricht mich mein durchaus attraktiver Sitznachbar an. Ich wische schnell die Tränen weg und drehe mich um. „Are you OK?“ Ich weiß es nicht. Bin ich OK? Ich denke schon. Ich fliege los. Nach Melbourne. Ich treffe Sarah wieder. Soo viele aufregende Dinge liegen vor mir. Ja! Ich denke ich bin OK...Wir sprechen über Australiens Südwestküste, denn da kommt er her und über die deutsche Band „Rammstein“, die er ganz toll findet. Ich muss deutsche Songtitel wie „Bück dich“ ins Englische übersetzen...oh mann. Der Flug vergeht sehr schnell und schon befinden wir uns im Landeanflug auf Melbourne.


Melbourne

Ich lande in Avalon. Melbourne-Avalon ist das australische Pendant zu Düsseldorf-Weeze oder Frankfurt-Hahn. Mit einem Shuttlebus fahre ich noch ca. eine Stunde quer durch die ländliche Umgebung Melbournes bevor wir die Southern Cross Station erreichen. Ich habe einen Straßennamen und eine Tramnummer. Mehr weiß ich nicht. Also stapfe ich mit meinem Monsterrucksack los in die Richtung, in der ich Melbourne City vermute. Glück gehabt. In der nächsten Querstraße hält die benötigte Straßenbahn. Was ein schönes Gefühl mal wieder Straßenbahn zu fahren! Wer hätte gedacht, dass ich die KVB mal vermissen würde :)

Die Haltestelle ist direkt gegenüber der „Nunnery“. Dieses Hostel wurde mir irgendwann mal empfohlen und als ich nach Hostels suchte, und über diesen Namen stolperte, fiel mir das wieder ein. Schon beim Eintreten weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Urgemütlich! Das alte Kloster, dass auch zeitweilig als Residenz des Erzbischofs genutzt wurde ist ein für australische Verhältnisse echt altes Gebäude mit hohen Decken und Holzdielen und Kaminen und dicken Goldbilderrahmen an der Wand. Ich checke ein und freue mich soo sehr auf mein Bett! Nach 7 Monaten im 6-Bett-Zimmer habe ich mir zur Belohnung ein Einzelzimmer für die erste Nacht gebucht! Nachdem ich einen kurzen Erkundungsgang durchs Haus gemacht und die ersten Mitbewohner kennengelernt habe, ziehe ich mich schnell in mein kleines Reich zurück. Außer einem Bett und einem Nachttischchen findet sich ein ca. 20 Jahre alter Fernseher, der 3 Sender (rauschend) empfängt. Eingekuschelt und selig erfreue ich mich an einer Doku über eine übergewichtige Familie aus Großbritannien bevor ich in den tiefsten Schlaf EVER falle. Völlig entspannt und ausgeruht wache ich morgens noch vor meinem Wecker auf. Kein Türenklappern, niemand der nachts um 3 betrunken nach Hause kommt, niemand der um 5 Uhr anfängt seinen Rucksack zu packen...EIN TRAUM. Ich genehmige mir das Gratisfrühstück und stelle dann meinen Rucksack im Gepäckraum unter, denn Sarah kommt aus Adelaide und wir ziehen gemeinsam wieder in ein...genau!... Sechsbettzimmer! War ja auch zu schön um wahr zu sein...

Nachdem ich mich mit Natalie (einer Freundin aus Sydney) zum Kaffee getroffen habe,wird es auch schon Zeit Sarah vom Bahnhof abzuholen. Was eine Wiedersehensfreude!

Zwei schöne Tage genießen wir in Melbourne und dann starten wir am Donnerstag auf unseren Miniroadtrip!

Montag, 24. Januar 2011

Von den blauen Bergen kommen wir...



Nach viel Work kommt jetzt endlich Travel! Am Donnerstag war mein letzter Arbeitstag bei Eva's Backpackers. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass 6 Monate vergangen sind. Die Zeit verging wie im Flug. Ein bisschen traurig war ich schon, als ich zum letzten Mal die Kasse gezählt und die Schlüssel für den Nightmanager vorbereitet habe. Und dann fiel die Bürotür ein letztes Mal ins Schloss. Mit ein paar Gästen habe ich dann oben auf der Dachterrasse mit Blick auf die atemberaubende Skyline von Sydney gegrillt und Wein getrunken. Danach sind wir noch in die Worldbar um dort auf meinen Abschied anzustoßen. Weinseelig bin ich dann nachts ins Bett gesunken. Mein erster Tag in Arbeitslosigkeit begann also stilecht mit einem furchtbaren Kater :).

Nachdem ich diesen Kater davon überzeugen konnte, dass das Wetter viel zu schön ist um den Tag im Bett zu verbringen haben wir zwei uns dann aufgemacht um den Nachmittag am Coogee Beach zu verbringen. Herrlich!

Samstagabend habe ich mich dann ein vorletztes Mal von meiner cholerischen Chefin im Restaurant anbrüllen lassen...Von dem Job hab ich noch gar nicht berichtet fällt mir da so auf. Jetzt ist er schon fast wieder vorbei!

Nachdem der neue Chef im „Cine“ (das italienische Restaurant) beschlossen hat, dass er nur Angestellte will, die auch Schichten unter der Woche übernehmen können und ich somit raus war, hab ich erstmal ein paar freie Wochenenden genossen und mich dann nach einem neuen Job für samstags umgeschaut. Durch Zufall hab ich mit Alison darüber gesprochen und die sagte dann, dass in ihrem Restaurant noch jemand für samstags gesucht wird! Prima! Lebenslauf eingereicht eine Woche später angefangen. Das Linda's ist ein kleines aber sehr feines Restaurant auf der Kingstreet in Newtown. Nur 10 Gehminuten vom Hostel entfernt. Der Laden hat nur 18 Tische und man bekommt australische Cuisine mit französischem Einfluss. Linda ist die Köchin und Graham, ihr Ehemann, der Manager. Samstags sind wir zu sechst. Zwei Küchenhilfen, Linda, Graham und zwei Kellnerinnen. Die Tische sind mit allerlei Zeug eingedeckt, so dass man eine Weile mit neu eindecken beschäftigt ist. Weiße Tischdecke, Papierdecke darüber, 2 kleine Teller mit Brotmessern, Besteck, Stoffserviette (hübsch gefaltet), zwei verschiedene Gläser, Salz, Pfeffer und eine Kerze.

Sobald jemand reinkommt wird er begrüßt, an den Tisch geführt, mit Speisekarten und Wasser versorgt. Dann wir ein Brotkörbchen mit Butter vorbereitet und auf den Tisch gestellt. Dann werden die Gäste ge“special“t, das heißt man liest ihnen die Specials des Tages vor, die nicht auf der regulären Karte stehen und lässt sie dann eine Weile in Ruhe aussuchen. Wenn genügend Zeit vergangen ist, schnappt man sich den Block und nimmt die Bestellung auf. Das Aufschreiben der Bestellung ist eine Wissenschaft für sich! Der Block ist wie ein Quittungsblock, das heißt mit Blaupause und Durchschrift. Der obere Zettel wird später als Rechnung verwendet, weswegen man ordentlich und organisiert schreiben muss, die Durchschrift bekommt die Küche weswegen man die gängigen Abkürzungen kennen muss...dauerte ein wenig bis ich das raus hatte. Soweit so gut. Alison hat mir nur verschwiegen, dass Linda wenn sie kocht, zum Teufel in Person wird! Ich hab ja schon mitbekommen, dass der Umgangston in der Gastronomie etwas rauer ist, aber Linda in Aktion übertrifft wirklich alles! Da wird geflucht, geschimpft beleidigt, geschrien...die Liste ist beliebig verlängerbar. Am Anfang hab ich das auf mich bezogen und war todunglücklich, nachdem Graham aber irgendwann zu mir sagte, „mach einfach genauso weiter, die brüllt uns trotzdem an“, war ich erleichtert. Das „uns“ machte den großen Unterschied!

Wenn nach 5 Stunden der Spuk vorbei ist, sitzen wir alle zusammen bei einem phantastischen Abendessen, was Linda (obwohl sie de ganzen Tag fluchend in der Küche gestanden hat) noch für uns Angestellte zaubert. Dann ist alles so als sei nichts gewesen, man plaudert, lacht, schmaust und trinkt Wein. Nun ja...kann man aushalten. Ich bin jedoch heilfroh, dass nächsten Samstag auch hier mein letzter Arbeitstag ist. Und Montag geht es endlich los!!

Jetzt aber noch schnell was zu den oben erwähnten „blauen Bergen“.

Die Blue Mountains heißen so, weil sie tatsächlich blau schimmern. Das liegt an den Eukalyptuswäldern, die sie überziehen und deren Bäume kleine Eukalyptusöltröpfchen absondern, die wiederum das Licht reflektieren und deshalb im Blau des Himmels erstrahlen...

Früh am Sonntag Morgen finde ich mich also vorm Holiday Inn in Kings Cross ein, wo mich der Bus von OZ Trails einsammeln soll. Die Tour habe ich von einem netten österreichischen Ehepaar im Hostel geschenkt bekommen, die die Tour selbst gewonnen haben, aber leider keine Zeit haben den Gutschein einzulösen..Schade aber auch! :)

Aus dem kleinen weißen Bus springt Miles, unser Tourguide. Er wirkt chaotisch aber sympatisch und plaudert fröhlich drauf los. Emer (eine nette Irin, die mit mir auf den Bus wartete) setzt sich neben mich und schon geht’s los. Mit einem Kurzen Zwischenstop im Olympiagebiet aus dem Jahr 2000 verlassen wir Sydney gen Westen. Raus aus der Stadt rein in die Natur! Erster Stop ist der Nepean River, wo wir Saft und Kekse gereicht bekommen und diejenigen, die kein österreichisches Ehepaar zur Hand hatten, zur Kasse gebeten werden.

Weiter geht’s gerade weg ins Paradies! Wir fahren zu King's Tableland. Das ist ein ungesichertes Aussichtsplateau ohne Geländer. Vorsichtig nähern wir uns der Kante unter der es ca. 250 Meter in die Tiefe geht. Der Ausblick ist gigantisch. Diese Weite, diese Farben und dazu phantastisches Wetter! Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und meine Laune ist hervorragend.

Dann geht’s zum Wentworth Fall. Ein riesiger Wasserfall, den wir aufgrund unseres Zeitplans leider nur von der Aussichtsplattform bewundern können, statt darunter hindurch zu laufen und eine erfrischende Dusche zu nehmen.

Wir fahren nach Leura, ein pittoreskes kleines Dorf um dort unseren Lunch einzunehmen. Emer und ich entscheiden uns für ein kleines Bistro mit Gartenterrasse. Mein Stuhl steht als einziger in der Sonne, was ich gaanz toll finde, aber dazu führt, dass geschlagene DREI!! Kellner mich darauf hinweisen, dass ich aufpassen solle, dass ich mir keinen Sonnenbrand hole. Schön, dass hier alle so um mein Wohl besorgt sind, aber etwas anstrengend. Wären die doch mal etwas besorgter um mein leibliches Wohl (im Sinne von Ernährung) gewesen...

Das Essen lässt nämlich so lange auf sich Warten, dass wir nach mehr als einer halben Stunde fragen, ob wir unsere Essen bitte zum Mitnehmen haben können, um pünktlich zur verabredeten Zeit wieder am Bus zu sein.

Mampfend fahren wir weiter nach Katoomba. Das ist die größte Stadt in den Blue Mountains und immer noch sehr klein :)

Dort gibt es die Scenic World. Für einen kleinen Aufpreis kann man dort mit einer Seilbahn über eine Schlucht fahren, mit der steilsten Eisenbahn der Welt rückwärts und pfeilschnell den Hang wieder hinauf fahren und auf einem Wanderweg den australischen Regenwald aus der Nähe erkunden...Zudem hat man einen hervorragenden Blick auf die bekannte Felsformation der Three Sisters.

Von dort aus geht es weiter um auch „aboriginal“ Seite der Blue Mountains kennen zu lernen. In eine Felsplatte haben die Ureinwohner Australiens vor ca. 400 Jahren ein Känguruh eingraviert. Solche „rock engravings“ findet man überall. Jeder Clan hat ein eigenes Symbol (Känguruh, Wombat, Emu, Schidkröte, etc.) Manchmal werden aber auch so wie hier Jagdszenen eingraviert.

Mit den Gravierungen ehrt man das Tier was erlegt wurde und weist gleichzeitig den Nachkommen des eigenen Clans den Weg zu heiligen Orten oder sauberen Wasserquellen. Der Schwanz (sofern das Tier einen hat, sonst die Hinterbeine) zeigt in die Richtung aus der die „Gravierer“ kamen und der Kopf in die Richtung in die die Stelle wieder verlassen wurde.

Bevor wir wieder gen Sydney aufbrechen fahren wir noch in den National Park um dort Känguruhs, Kakadus und Kookaburras zu beobachten. Dann bringt Miles uns mit dem Bus nach Parramatta und verabschiedet sich. Die restliche Strecke legen wir dann mit der Fähre zurück. Emer und ich steigen im Darling Harbour aus und lassen den Tag mit Bier und Salsamusik ausklingen! Was ein schöner Start in die Arbeitslosigkeit und ein guter Vorgeschmack auf mein großes Abenteuer! Nach 7 Monaten werde ich Sydney nämlich nächste Woche verlassen. Mein Flug geht am Montag von Sydney nach Melbourne. Da treffe ich Sarah wieder und dann kann es endlich losgehen!

Samstag, 1. Januar 2011

Ein Feuerwerk der Emotionen


Lange hab ich diesem Tag entgegen gefiebert und gestern war es endlich soweit: NEW YEARS EVE 2010/11! Mit als eine der ersten durfte ich dieses Jahr gemeinsam mit vielen Millionen anderer Menschen an einem der schönsten Orte der Welt das neue Jahr begrüßen! Oft habe ich das Spektakel im Fernsehen angesehen und jedesmal gedacht: Irgendwann werde ich das live erleben - irgendwann...Dieses Jahr ging mein Traum in Erfüllung und es war unbeschreiblich schön!! Ich versuche dennoch es zu beschreiben...
Die Zeitungen waren schon Tage zuvor voll von Tips von wo aus man die beste Sicht habe und dass man sich möglichst früh einfinden solle. Also haben wir uns bereits um ca. 11 Uhr morgens auf den Weg gemacht...relativ planlos aber voller Vorfreude!
Mit dem Zug sind wir bis St.James gefahren um von dort aus Richtung Mrs. Macquaries Chair zu laufen...das ist eine Landzunge, die beonders weit in den Hafen hineinreicht und von wo aus man Opera House und Harbour Brige perfekt sehen kann...als der Zug durch Circular Quay fuhr waren wir erstaunt, dass es noch recht menschenleer war und waren guter Dinge, dass wir den perfekten Zeitpunkt für unsere Anreise gewählt hatten. Als wir aber die Art Gallery street hinunter liefen und von einem Ordner in Richtung des Parks gegenüber verwiesen wurden, wurden wir schnell eines Besseren belehrt: eine wahnsinnig lange Menschenschlange wand sich durch den Park, die alle wahrscheinlich schon Stunden in der gleißenden Mittagssonne warteten...schnell ein paar Photos vom Wahnsinn schiessen und umkehren war unsere Devise. Also wanderten wir zum Circular Quay um dort ohne große Umstände zum besten Feuerwerksaussichtspunkt der Welt zu gelangen...wir konnten unser Glück gar nicht fassen!
Also belegten wir mit Decken und Handtüchern einen Platz direkt auf dem großen Vorplatz des Opernhauses mitten in der brennenden Sonne...wir hatten uns zwar alle gründlich eingecremt und ausreichend Wasser und Snacks mitgenommen, aber wir mussten schnell feststellen, dass wir die verbleibenden 11,5 (!!) Stunden bis zum Feuerwerk kreativ werden mussten um nicht eines qualvollen Hitzetodes zu sterben...es war heiß! Unglaublich heiß! Hanne und Barbara kamen etwas später und so orderten wir Regenschirme um ein wenig Schatten zu haben. Alle halbe Stunde gingen wir abwechselnd in den kühlen Schatten unter den Treppen des Opernhauses und dennoch: es war kaum auszuhalten! Wir schwitzen und warteten, spielten Karten, lauschten der Musik aus der Opera Bar und begannen, als es langsam etwas kühler wurde völlig überteuertes Dosenbier zu trinken :D Es war großartig!!
Eins muß man den Sydneysidern lassen...Großveranstaltungen organisieren können sie! Ich war so erstaunt: man musste NIE an einer der vielen mobilen Toilettenhäuschen anstehen, denn es waren ausreichend vorhanden, die sogar regelmäßig gereinigt wurden. Auch an der Bar gab es keine Warteschlangen. Die Tore wurden so früh geschlossen, dass wir unfassbar viel Platz hatten und uns unglaublich privilegiert vorkamen an unserem "perfect spot" !
Nach einer Flugshow und einer traditionellen "Reinigungszeremonie" der Aboriginals, die die Pfeiler der Brücke und das ganze Hafengelände von böses Geistern reinigen sollte, konnte dann um 21 Uhr das erste Feuerwerk starten...Ja, richtig gelesen: das ERSTE. Extra für Kinder und Familien gibt es ein "Vor"feuerwerk...im Vergleich zum "echten" um Mitternacht viel das relativ unspektakulär aus, aber da wir zu diesem Zeitpunkt noch keinen Vergleich hatten saßen wir staunend da. Um Mitternacht schließlich standen wir da voll Spannung. Wir hatten uns Sekt von der Bar organisiert (Anstoßen muß sein :)) und starrten gebannt auf den Brückenpfeiler: der Countdown....3, 2, 1: und dann ging es los. Musik spielte, Millionen Menschen jubelten und fielen sich in die Arme und ich mitten drin! Ich wusste gar nicht wo ich zuerste hingucken sollte und auf was meine Kamera richten? Der Blick war atemberaubend schön: links von uns die Skyline mit den Hochhäusern in deren Fenstern sich das Feuerwerk spiegelte und von deren Dächern aus Rakten den Himmelerleuchteten...den Blick weiter nach rechts schweifend die Harbourbridge von Feuerwerkskörpern erleuchtet und mit einem dicken roten Kreuz in der Mitte (Motto: "Make your Mark"), darunter im Hafenbecken unzählige Schiffe, alle mit Lichterketten geschmückt und am rechten Bildrand: das Opernhaus auf dessen Dach die Lichter der Raketen wunderschöne Muster zauberten....! Nachdem ich allen in die Arme gefallen war stand ich da und musste mir ein paar Tränchen von den Wangen wischen...ich kanns heute noch nicht ganz glauben: ICH WAR DABEI....LIVE...so wie ichs mir immer gewünscht habe...einfach nur schön!

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Vorweihnachtszeit Down Under mit kriminellem Beigeschmack!

Einmal werden wir noch wach - heißa dann ist Weihnachtstag...oder auch nicht. Dieses Jahr ist alles anders.

Während in Deutschland am Heiligabend alle beisammen sitzen, schmausen, Geschenke auspacken, durch den Schnee zum Weihnachtsgottesdienst laufen und Weihnachtslieder singen werde ich morgen arbeiten gehen. Den ganzen Tag lang von morgens um sieben mit kurzer Unterbrechung am Nachmittag um den Arbeitsplatz und die Klamotten zu wechseln, bis Mitternacht.
Keine Zeit darüber nachzudenken, dass Heiligabend ist und ich eigentlich gerne mit Mama, Papa und Maren unterm Baum sitzen würde...
Doch Weihnachtsstimmung will dieses Jahr nicht aufkommen. Seit 3 Wochen versuche ich in den Weihnachtsmodus umzuschalten: Es gibt hässliche Plastikdeko überall, in den Geschäften plärren Weihnachtslieder, an gut besuchten Plätzen stehen große geschmückte Weihnachtsbäume und man kann sogar Schokoladenweihnachtsmänner und all das andere leckere Zeugs kaufen...es könnte also alles wie immer sein - wenn es nicht über zwanzig Grad warm wäre und man kurze Klamotten und FlipFlops (oder Thongs wie sie hier heißen) tragen würde! Das geht einfach nicht zusammen...Weihnachten muss es kalt sein und man muss Lust auf Glühwein und/oder heißen Kakao haben...hab ich aber nicht. Ich möchte Melone essen und leckere eiskalte Saft-Smoothies von Boost trinken aber Glühwein?? Im Leben nicht!!
Das ist definitiv die merkwürdigste Adventszeit, die ich je erlebt habe...und die kriminellste!
Wir sind nämlich vorweihnachtlich ausgeraubt worden!! Da fehlten wohl ein paar Leute noch Weihnachtsgeschenke oder das passende Kleingeld dafür...eines Morgens werde ich wach, Jana steht neben mir und sagt: Alles ist weg! Wir sind ausgeraubt worden! Ich sitze senkrecht im Bett..was eine angenehme Art geweckt zu werden! Meine Hand greift neben mein Bett. Laptop noch da. Griff in die Tasche: Portemonnaie und Kamera noch da..puh! Alles gut. Langsam komme ich zu Sinnen. Wer? Was? Wo?
Jana fasst kurz zusammen: sieht so aus als seien nachts Einbrecher über den Balkon in ein Zimmer eingestiegen. Weil es nachts mittlerweile recht warm ist, stand die Balkontür offen. Die Zimmertüren oben sind sowieso immer offen...hier ist noch nie was weggekommen! Offenbar haben die Einbrecher sich durch 3 Zimmer bewegt und alles mitgehen lassen was irgendwie Wert hatte...sämtliche Taschen fanden sich morgens auf dem Balkon wohin sie alles geschafft hatten um dort in Ruhe aussortieren zu können...Im Zimmer sah es chaotisch aus...Unser Zimmer blieb verschont! Was ein Glück! Unsere Tür war zu und wir wohnen unten. Die betroffenen Zimmer sind alle auf der ersten Etage. An der Rezeption traf ich auf die betroffenen Bewohner, die darauf warteten, dass die Polizisten ihnen mitteilten ob man auf den Bändern der Überwachungskameras irgendetwas erkennen konnte. Dafür dass I-Phones, Laptops, Bargeld und ganze Portemonnaies weggekommen waren, machten sie auf mich einen extrem gefassten Eindruck! Unglaublich!! Obwohl ich nicht persönlich betroffen war, war ich wahnsinnig aufgewühlt!! Ich musste erstmal meine Mama anrufen und berichen! Seitdem sind alle Wertsachen nachts gut verstaut und der Computer am Bett festgekettet! In einem Mehrbettzimmer macht man sich einfach keinen Kopf wenn nachts irgendwo gewühlt wird..man wird grundsätzlich vermuten, dass einer der Mitbewohner spät nach Hause kommt oder besonders früh auschecken muss oder ähnliches...unangenehmes Gefühl!
Schnell kehrte aber wieder Normalität ein. Und nachdem auch im Hostel Plastikdeko und Blinklichterkette installiert waren, konnte Weihnachten kommen!
In einem Anflug von "ich will jetzt aber Weihnachtsstimmung" mache ich mich abends auf und fahre zur St.Marys Cathedral...Dort gibt es die Christmas Lights 2010..Ähnlich wie schon beim Vivid Festival wird die Fassade der Kathedrale angeleuchtet...nicht nur das: es werden wunderschöne bunte Muster darauf projiziert und dazu wird Musik gespielt. Eine große Krippe haben sie auch aufgebaut und einen ganz kleinen kurzen Augenblick lang fühle ich mich trotz der FlipFlops an meinen Füßen ein ganz kleines bisschen weihnachtlich...

Dienstag, 16. November 2010

Star City - Rien ne va plus

Glamour, Glitter, Anzüge und Roben, Geld verprassen oder vermehren, Schweiß, Wut, Freude, Poker, Roulette, rien ne va plus...Dinge die mir einfallen wenn ich an Casino denke...bis vor Kurzem nur Wissen bzw. Halbwissen aus Erzählungen oder Filmen. Nun kann ich mitreden: Ich war da!
Das Star City Casino in Sydneys Entertainment-Hafen "Darlingharbour" ist ein riesiger Komplex mit Hotel, Bars, Restaurants, Sport-Kino und natürlich einer riesigen Lanschaft aus Poker- und Roulettetischen und Spielautomaten jeglicher Art. Alles blinkt und piepst und melodiert vor sich hin. Dazwischen Menschen jeglicher Nationalität, Gehalts- und Altersklasse. Und mittendrin, ganz verloren: wir. Mit 5 weiteren Hostelmitbewohnern habe ich mich auf den Weg gemacht um mal ein wenig Casinoluft zu schnuppern. Am Türsteher wären wir schon fast gescheitert. Nicht, wie anzunehmen, weil wir nicht adäquat gekleidet sind (hier läuft jeder rum wie er mag...nix mit aufbrezeln, kurzem Schwarzen und Smoking), sondern weil Hanna auf ihrem Personalausweisbild 3 Jahre jünger ist und heute etwas anders aussieht. Mit Engelszungen reden wir auf ihn ein und nach endlosen Minuten lässt er sich dazu herab die Meinung eines Kollegen einzuholen...der gibt dann nach mehreren prüfenden Blicken gottseidank grünes Licht und wir dürfen eintreten. Dann stehen wir da. In einer riesigen Halle. Geschäftiges Treiben, ernst dreinscheuende Croupiers, Menschschaaren um Tische herum...
Wir haben vorher abgesprochen, dass jeder nur 20 Dollar knapp 14 Euro) mitnimmt. Nach einem unentschlossenen Rundgang durch die Halle beschliessen wir unser Geld "kleinzumachen". Also stellen wir uns an der Kasse an. Eine lange Panzerglasscheibe trennt den Kassenbereich vom Rest der Halle. Neben mir tauscht jemand gerade Unmengen von Geld...was da so am Abend über den Tisch geht mag ich mir gar nicht vorstellen. Etwas verschämt lege ich meine 20 Dollar auf den Tisch und frage, ich eventuell 3 Fünf-Dollar-Scheine und 5 Ein-Dollar-Münzen bekommen kann. Der Mann lächelt freundlich und legt das Gewünschte in die Schublade unterhalb der Panzerglasscheibe. Wir haben uns entschieden unser Glück am Roulette-Computer zu versuchen...Ein gutes Mittelding: nicht so langweilig wie die blinkenden Maschinen in die man stumpf Münzen hineinwirft und auf sein Glück hofft und nicht ganz so aufregend wie Poker oder Roulette am Tisch. Eine gute Sache für den ersten Casino-Be...ach nein..Versuch :) Ganz profimässig schauen wir uns die Statistiken an und versuchen den Computer zu "durchschauen"...ein Asiate am Tisch nebenan hat gerade ca. 2000 Dollar in der Maschine. Für ihn wahrscheinlich nur Peanuts...entspannt ist er trotzdem nicht. Er schwitzt, seufzt, flucht (klingt witzig auf...ja was wars wohl? Chinesisch?) und haut am Ende mit der Faust auf den Tisch. Lief wohl nicht so gut. Wir dagegen freuen uns wie die Schneekönige wenn wir mal nen "Lauf" haben und 2 oder 3 mal hintereinander 2 oder sogar 4 Dollar gewinnen :)
Bilanz nach ca. 1 Stunde: 5 von 6 haben zwischen 10 und 20 Dollar verloren nur Sarah triumphiert: Bei einem Einsatz von 10 Dollar 40 Dollar rausbekommen! Ich zwinge Sie den "Scheck" auszudrucken, denn sie überlegt ernsthaft weiterzuspielen...am Ende ist sie dankbar, dass ich Sie "überredet" habe aufzuhören.
Eine nette Erfahrung, die aber nicht zum regelmäßigem Vergnügen für mich werden könnte. Und doch sind Georg und ich uns einig, dass wir in Deutschland definitiv nochmal ins Casino müssen, denn so ganz ohne Glanz und Glamour geht ein "erstes Mal" Casino nicht. Kurzes Schwarzes und Smoking: wir kommen... :D

Montag, 18. Oktober 2010

UNREAL!! Surfen in Seal Rocks

Ein weiteres Abenteuer liegt hinter mir. Am Wochenende war ich gemeinsam mit Linda in Seal Rocks zum Surfen! Seal Rocks liegt etwa 300 km (3,5 Stunden Busfahrt) noerdlich von Sydney und ist einer der oestlichsten Orte Australiens. Ein wunderschones Fleckchen Erde!
Angefangen hat alles mit einer weiteren "Famil"-Einladung (wie schon bei meinem Ausflug ins Hunter Valley) die mir im Hostel in die Hand gedrueckt wurde. Fuer 49 Dollar ein ganzes Wochenende lang der Stadt entfliehen, neue Menschen treffen, neue Orte angucken und nebenbei noch Surfen lernen?? Da musste ich gar nicht lange nachdenken. Ich hab direkt am Abend Linda gefragt ob sie sich vorstellen koennte mitzukommen und direkt am naechsten Tag gebucht!
Freitag Abend gings los. Wir warteten vor der riesigen Jugendherberge "Sydney Central" auf den Bus, der uns nach Seal Rocks bringen sollte. Es dauerte nicht lange und ein Kleinbus mit "WAVE surfschool"- Aufschrift fuhr vor, dem ein gut gelaunter "Dude" namens Mark entsprang.
Mit insgesamt 10 gutgelaunten Menschen aus aller Welt (u.a. Schottland, Jordanien, Amerika) gings los. Kurzer Stop am Bottleshop (Zitat Mark: "Leute - ihr muesst wissen: der Tag eines Surfers teilt sich in 2 Phasen: Surfen und Trinken") und los gings Richtung Camp.
Da Mark sich im Dunklen nicht mehr so ganz an den Weg erinnern konnte :), kamen wir erst recht spaet im Camp an.

Da fielen wir dann so gleich ins Bett, da um 7.15h der Wecker klingeln sollte...Noch ziemlich verschlafen kämpften wir uns am nächsten Morgen aus den Federn und staunten nicht schlecht als es a) kein Wasser und keinen Strom gab (was beides erwiesenermaßen am Abend zuvor noch einwandfrei funktionierte) und b) 2 Pferde vor unserem großen Verandafenster standen und uns anstarrten :) Ein Sturm in der Nacht hatte uns vom Stromnetz der Region getrennt. Eric (Ekker) unser Surflehrer versprach aber, dass das Problem bis zum Abend behoben sei.
Also putzten wir uns mit Trinkwasser aus Flaschen die Zähne und öffneten todesmutig das große Schiebefenster zur Veranda. Die Pferde erwiesen sich als neugierig aber freundlich und so traten wir unseren Weg zum Haupthaus an in dem das Frühstück serviert werden sollte. Die Pferde folgten uns und schauten uns neidisch beim frühstücken zu.

Dann gings zum Boardschuppen wo jeder mit Surfbrett und Wetsuit versorgt wurde. Fröhlich bestiegen wir bei bestem Wetter den Bus und los gings zur Elizabeth Bay. Auf dem Weg dorthin hielten wir in traumhaft schönen Buchten an. Da sich aber der Sturm noch nicht vollständig gelegt hatte, waren die Wellen in den meisten Buchten noch zu groß für uns blutige Anfänger. Doch wir fanden eine geeignete Stelle und schmissen uns, nach peinlichen Trockenübungen am Strand, fast furchtlos in die Brandung...und siehe da: Surfen ist nicht so leicht wie es immer aussieht!

Kurz vor der Mittagspause hab ich es dann EINMAL geschafft: Mark schwamm hinter mir im Wasser und sagte dann: los, jetzt paddeln! Ich schieb dich an! Hier kommt DEINE Welle :) Also schwang ich mich aufs Board, paddelte als wenns um mein Leben ging (man muss eigentlich nur an einen Hai hinter sich denken, dann geht’s ganz gut ;)) drückte mich vom Board hoch, Fuß 1 nach vorn, Fuß 2 nach vorn...TADAAA: Ich stand für 2 Sekunden auf meinem Brett und surfte auf einer Welle gen Strand...großartig! Dann gab es Sandwiches für alle auf einer der „Gratis-Grill-Möglichkeiten“ die sich hier überall finden. Alle fielen über das Essen her..

Während wir spiesen zeigte Mark auf einmal ins Gebüsch das verdächtig raschelte. Heraustrat eine circa 1,5 Meter lange Riesenechse. Schwarz mit gelben Punkten! Mein erster Gedanke: Wo ist denn hier der Zaun? Ich fühlte mich nämlich als wär ich im Zoo! Die Echse beachtete uns gar nicht und spazierte unbeeindruckt weiter. Ich war jedoch nachdrücklich beeindruckt!

Nach dem Essen gings dann kurz nochmal ins Wasser bis Ekker und Mark beschlossen nochmal die Bucht zu wechseln. Die mit den heißen Duschen ließen wir ob der hohen Wellen wieder links liegen und fuhren zu einer Bucht deren Wellen für meinen Geschmack immer noch zu hoch waren und die zu allem Überfluss links mit rauhen Felsen begrenzt war. Ekker fand den Ort aber geradezu ideal um uns beizubringen wie man mit Board rauspaddelt (hinter den Whitewash) um dann eine ungebrochene Welle zu reiten (haha- wenn auch nicht das surfen selbst aber den Surfslang hab ich schon drauf!). Ein Teil warf sich furchtlos ins Wasser, ich stand jedoch mit einigen Mädels zögernd am Strand. Die Sonne war weg und das Wasser war dunkel und bedrohlich. Als Mark mich aber aufmunternd anlächelte und sagte: Na los!! Du machst das schon! Schnappte ich mir mein Board und begann zu paddeln. Und dann konnte ich auch direkt Gelerntes anwenden: Eine mittelgroße Welle kam auf mich zu. In meinem Kopf ratterte es. Mittelgroß = Arme unter die Brust und durchstrecken um über die Welle zu kommen...das klappte einwandfrei. Was ich nicht sah war die Riesenwelle, die mich direkt dahinter erwartete. Theorie hätte ich auch für diese im Angebot gehabt: einfach mit ner Eskimorolle durchtauchen (linke Hand nach vorn an den Rand, rechte auf Höhe der Hüfte, rechtes Bein nach oben bringen und am Brett hängend durch die Welle tauchen, danach zurück rollen) – doch für Theorie und deren Umsetzung war keine Zeit. Die Welle erfasste mich, warf mich vom Brett, das Brett das mit nem Band an meinem rechten Fuß befestigt war befand sich auf einmal 1,5 Meter von mir weg und unter mir nur bodenlose schwarze See...

Panik erfasste mich...die Wellen peitschten weiter, die Felsen kamen näher...ich zog mein Board an mich ran und hangelte mich hoch. Der erste Versuch schlug fehl. Irgendwie schaffte ich es aber mich wieder hoch zu ziehen. Mitte finden gerade hinlegen und paddeln..Ich hatte jeden Gedanke an Surfen verworfen und wollte eigentlich nur wieder an Land...Ich paddelte wie verrückt und hatte das Gefühl dem Strand kein Stückchen näher zu kommen. Die nächste große Welle erfasste mich von hinten und warf mich erneut vom Brett. Ich will zu meiner MAMA!!! Ruhig bleiben, wieder hochziehen, weiterpaddeln....Völlig fertig erreichte ich Minuten später den Strand. Keuchend zog ich mein Board aus dem Wasser, ließ mich in den Sand sinken und musste vor Erleichterung erstmal ein Tränchen verdrücken. Merke: Surfen bei Sonne im seichten, klaren Wasser ist großartig! Surfen bei grauem Himmel in haiverseuchten (wir haben nicht einen gesehen, aber KOPFKINO!!) Gewässern mit Felsen ist eher nicht so meins...

Dann gings nach Hause ins Camp wo wir tatsächlich heiße Duschen (Wasser und Strom wieder da) vorfanden. Nach dem Abendessen kam dann die unvermeidliche Party mit Surfcamp-Spezial-Sangria, dem wir gehörig frönten.

Muß ich erwähnen dass das Aufstehen am nächsten Morgen doch recht schwer fiel? Aber wir waren ja zum Surfen da...also wieder Bretter und Anzüge aus dem Schuppen geholt und ab in den Bus. Nach meinem etwas traumatisierenden Erlebnis am Samstag Nachmittag und in Anbetracht meines Sangria-Katers, sah ich dem Surfvergnügen mit gemischten Gefühlen entgegen. Aber beim Anblick der Bucht von Seal Rocks schlug mein Herz dann wieder höher! Ein Traum in Grün-Weiß-Türkis...

Die Sonne war da, das seichte Wasser auch. Während der unvermeidlichen Trockenübungen am Strand schwammen drei Delphine in höchsten 10 Metern Abstand an uns vorbei und am Horizont sah man einen Buckelwal fröhlich herumplanschen...Ich hätt heulen können vor Glück! Genauso hab ichs mir immer vorgestellt! Australien – ich liebe Dich!!

Also hab ichs dann nochmal gewagt und mich in die freundlichen Wellen geschmissen. Da aber mein Körper nicht so wollte wie ich (Muskel- und anderer Kater deluxe!) stellte ich meine Surfbemühungen dann schnell wieder ein und lag mit Linda am Strand in der Sonne...Mittagessen wurde diesmal stilecht auf einem abgesägten, halben Surfbrett auf dem Parkplatz neben unserem Bus serviert...lecker! Gegen zwei Uhr hieß es dann Abschied nehmen vom Traumstrand, denn ein Teil der Truppe musste noch nach Canberra zurück (circa 6 Stunden Busfahrt).

Versalzt und versandet und müde wurden wir dann mit dem Bus nach Sydney zurückgefahren.

Das ganze Wochenende war, um es mit Ekkers Worten zu sagen: UNREAL!! Einfach zu schön um wahr zu sein!

Freitag, 17. September 2010

Hunter Valley

Es ist passiert! Ich habe Sydney verlassen...wenn auch nur für einen Tag :)
Am Mittwoch wars soweit. Dank meines Rezeptionsjobs wurde mir die Ehre zuteil an einem sogenannten 'famil' teilzunehmen. Das ist eine Art Werbeveranstaltung für "Geschäftskunden"...Die Reiseveranstalter laden Hotel- und Hostelmenschen ein an einer Tour teilzunehmen, damit sie hinterher besser Werbung machen können. Also eine win-win-Situation :)
Um viertel vor acht morgens gings los. Der Reisebus holte mich am Haupteingang des YHA Central ab. Mit einem Bus voller "Fremden" ging es dann los. Das erste Highlight war die Fahrt mit dem Reisebus über die Harbourbridge! Jetzt bin ich schon soo lange hier und hab es noch nicht geschafft über die berühmte Brücke zu fahren. Es dauerte eine ganze Weile bis wir aus Sydney raus waren, aber danach wurde es auch umgehend ländlich. Zweites Highlight: lebendige Wallabies! Einfach so auf der Wiese direkt neben der Straße. Toll! Eine tolle Fahrt durch unendliche Weiten..ab und an mal eine umzäunte Weide...sonderliche Pflanzen und Blüten am Wegrand. Ich hab mich gefühlt wie in die Fernsehserie McLeods Töchter versetzt :) Und dann: wohin man sieht WEINBERGE!
Das Hunter Valley ist eine der bekanntesten Weingegenden von Australien. Prozentual gesehen kommen wohl nur unter 10% der in Australien produzierten Weine aus der Gegend dafür aber über 30% der qualitativ besten Weine. Jess und Peggy, unsere Reiseführerinnen, plauderten abwechselnd fröhlich ins Mikro und ab und an gab auch Greg, unser Busfahrer, einen genuschelten Kommentar zu Gegend und Geschichte von sich. Noch während der Fahrt sollten wir Teams bilden und bekamen eine Umschlag in die Hand gedrückt. Darin befanden sich Fragebögen...die Antworten sollten wir im Laufe des Tages zusammensammeln und die Bögen am Ende abgeben. Der erste Stop unserer "Butterfahrt" war Wollombi. Ein historisches Dörfchen mit einem kleinen Pub in dem es ein kleines Frühstück für uns gab (Tee, Kaffee und Scones mit Marmelade und Clotted Cream-Yummy!) und den berühmten Dr. Jurds Jungle Juice! Nachdem ich erfahren hatte um was es sich dabei 'historisch' handelte, verging mir die Lust daran ihn zu testen:
"Legend has it that Mel, in his efforts to keep costs down and revenues up would save all the leftovers from the night before and pour them into a single container. Port, brandy, wine, you name it, Mel saved them all and experimented with various brewing techniques. Dr. Jurd's Jungle Juice was created." (für näher Interessierte: http://www.wollombitavern.com.au/DrJurd/index.htm).
Danach gings zum ersten Weingut (Mount Pleasant) wo wir peinliche neonorange Sicherheitswesten tragend erst am Weinberg standen und etwas zum den dort angeplanzten Rebsorten erfuhren und dann im Schnelldurchlauf einige Infos zum Keltern erhielten. Abgerundet wurde der Besuch mit einem äußerst leckeren Mittagessen mit Weinprobe.
Gut gesättigt gings weiter zu Lindeman´s. Da gab es eine große Weinprobe, nach der ich schon ein bisschen beschwipst war. Witzig war, dass der erste meiner Meinung nach richtig "gute" Rotwein von allen anderen Anwesenden als "way too strong" eingestuft wurde...mein Fazit: Australier trinken Plörre und sind nix Gutes gewöhnt :)
Abschluss des Tages war ein kurzer Besuch im Hunter Valley Village (ein Touristendorf mit kleinen Souvenir und Delikatessenläden) und den angrenzenden Hunter Valley Gardens, wo wir eine Art Schnitzeljagd gemacht haben. Das fand ich zunächst sehr albern, aber nachdem man sich drauf eingelassen hat wars ganz witzig und mein Team hat den 2. Platz belegt und ne Tüte Süßkram abgestaubt :) Auf der Busfahrt nach Hause wurden dann noch unsere "Fragebögen" ausgewertet und diesmal hatten wir tatsächlich die Nase vorn. Der 1.Platz wurde belohnt mit einem Piccolo Hunter Valley Sekt, Chilischokolade aus dem Delikatessenladen und einer zusammenfaltbaren Frisbee-Scheibe...na wenn das mal keine Ausbeute ist!
Erschöpft und zufrieden wurde ich dann abends wieder am Treffpunkt abgesetzt! Ein wirklich schöner Ausflug.